Managementkompetenzen
Definition
Eine Kompetenz ist eine Kombination aus Persönlichkeitsmerkmalen (Motiven und Werten), Verhaltensweisen (Teamarbeit und Kommunikation) und Leistungen (Ergebnissen/Erfahrungen), die zur Realisierung der Ziele einer Organisation (Unternehmen) notwendig sind. Voraussetzung ist eine zuverlässige Diagnose der Fähigkeiten. Im Management unterscheidet man zwischen: (a) gestaltenden Kompetenzen wie zum Beispiel Planung, Organisation und Kontrolle, (b) funktionalen Kompetenzen wie zum Beispiel Kenntnissen und Erfahrungen in den Bereichen Beschaffung, Marketing, Vertrieb und Verwaltung sowie (c) personalen Kompetenzen wie zum Beispiel das Beherrschen von unternehmerischen Techniken (Investitionsrechnung und Kundengewinnung), dem "richtigen" Umgang mit Menschen (Sozialkompetenz) oder die Beherrschung komplexer Zusammenhänge und Systeme (analytisches Denkvermögen und Problemlösung).
>> Die nachfolgende Grafik veranschaulicht diese Zusammenhänge.
Grundbegriffe: Was ist Management?
Abbildung: Grundbegriffe zu Kompetenzen und deren Diagnose
Unternehmensziele & Strategie
Die Unternehmensziele (Mission) und die Strategie entscheiden, welche Kompetenzen für den Erfolg der Organisation notwendig sind. Um die Umsetzung der Kompetenzen messen zu können, sind Kennzahlen notwendig, wie sie zum Beispiel in der Balaced Scorecard definiert sind. Im Wesentlichen handelt es sich um Produktivität und Rentabilität der Geschäftsprozesse, gemessen mit so genannten Key Performance Indicators (KPI). Strategie und Kennzahlen sind Voraussetzung für die Entwicklung eines Kompetenzmodells (Soll-Kompetenzen), das den wichtigsten Qualitätsmerkmalen (Validität und Reliabilität) entspricht. Anschließend vergleicht man die Soll-Kompetenzen mit den Ist-Kompetenzen der jetzigen (im Falle von Strategieänderungen) oder potentiellen (im Falle der Führungskräfteentwicklung) Manager. Die Einschätzung der Ist-Kompetenzen (Diagnose) erfolgt meistens durch ein Management-Audit, durch Verhaltensinterviews oder durch ein 360-Grad-Feedback. Aus dem Soll-Ist-Vergleich werden anschließend Maßnahmen zur Qualifizierung und Stellenbesetzung (Zuordnung von Verantwortung) abgeleitet. Eine Übersicht über die am häufigsten verwendeten Managementkompetenzen für die Diagnose und Entwicklung zeigt die nachfolgende Grafik. Dies ist allerdings lediglich eine Illustration. Einer der größten Fehler besteht darin, derartige Kompetenzen aus dem Internet, aus der Fachliteratur oder von Unternehmensberatungen nach Plausibilitätsgesichtspunkten einfach zu übernehmen. Die Ergebnisse können nicht valide sein; vielmehr fördert man damit opportunistisches Verhalten, weil die Kompetenzen keine Verbindung zu operativen Geschäft und zu den relevanten Kennzahlen haben.
Die häufigsten Managementkompetenzen
- Persönliche und intellektuelle Kompetenzen
1. Vertrauen aufbauen
2. In komplexen Zusammenhängen denken (Analytisches Denkvermögen)
3. Langfristig und vorausschauend denken und handeln (Strategisches Denkvermögen)
4. Kontinuierlich lernen (insbesondere Aus Erfahrungen)
5. Regelmäßig Initiative ergreifen - Ziele und Herausforderungen definieren (Inspiration)
6. Aufs Wesentliche konzentrieren/"richtige" Prioritäten setzen
7. Andere zielgerichtet beeinflussen, überzeugen
8. Vision und Sinn entwickeln und vermitteln
9. Anspruchsvolle und zugleich realistische, herausfordernde Ziele setzen - Unterstützung und Lernen (Stimulation)
10. Aufgaben "richtig" delegieren
11. Andere in ihren Fähigkeiten und im Verhalten fördern
12. Verantwortung sach- und personengerecht übertragen
13. Konflikte frühzeitig erkennen und konstruktiv lösen - Kommunikation und Fairness (Consideration)
14. Mündlich überzeugend kommunizieren
15. Schriftlich ergebniswirksam kommunizieren
16. Kontakte und Beziehungen aufbauen
17. Teams effektiv leiten
18. Effizient im Team mitarbeiten
19. Mit eigenen und fremden Gefühlen konstruktiv umgehen (Emotionale Intelligenz) - Ergebnisorientierung (Enabling)
20. Einfluss von Kunden auf die Abläufe ermöglichen
21. Für ergebnisorientierte Leistungsbewertung sorgen
22. Ziele und Standards als erwartete Ergebnisse etablieren
23. Interne und externe Verhandlungen wirtschaftlich führen
24. Probleme kreativ lösen
25. Entscheidungen zeitnah und konsequent treffen - Unternehmerische Haltung (Innovation)
26. Für kontinuierliche Verbesserungen sorgen
27. Sich schnell und flexibel an interne und externe Veränderungen anpassen
28. Kreativität im Hinblick auf Abläufe, Produkte und Kunden entwickeln
29. Neuerungen durchsetzen und implementieren (Innovation)
30. Risiken ökonomisch sinnvoll eingehen und bewältigen
31. Fähigkeiten der Planung und Organisation demonstrieren
Sehr nützlich ist auch eine Kombination von Führungskompetenzen und Umsetzungskompetenzen. Dabei gilt der Grundsatz, dass am besten ausgeprägten Kompetenzen wie zum Beispiel die einer charismatischen Persönlichkeit nicht viel nutzen, wenn die Person diese Fähigkeiten nicht in Ergebnisse umsetzen kann.
Operationalisierung von Führungskompetenzen
(siehe auch www.führungskompetenzen.com)
- Vorbildfunktion wahrnehmen: Ein Klima von Vertrauen und gegenseitigem Respekt fördern; die Loyalität der Mitarbeiter erwerben; als Mensch überzeugen
- Offen kommunizieren, für Fairness sorgen: Ausreichend informieren und Transparenz schaffen, überzeugend kommunizieren; konstruktives Feedback geben
- Unterstützung und Lernfähigkeit fördern: Fähigkeiten und Kenntnisse der Mitarbeiter entwickeln; sie zur Selbstständigkeit und Übernahme von Verantwortung anregen
- Für Ergebnisse sorgen: Klare Erwartungen formulieren, die Einhaltung von Zielvereinbarungen und Spielregeln konstruktiv durchsetzen
- Ziele und Perspektiven vermitteln: Langfristige, anspruchsvolle und zugleich realistische Ziele formulieren und für deren Umsetzung sorgen
- Eine unternehmerische Haltung fördern: Das Erkennen und Nutzen von Chancen und Verbesserungsvorschlägen fördern; zur Geschäftstüchtigkeit und Voraussicht anregen
Operationalisierung von Umsetzungskompetenzen
(siehe auch www.umsetzungskompetenzen.com)
- Aufmerksamkeitssteuerung und Fokussierung: Klare (wirtschaftliche) Prioritäten setzen; sich nicht ablenken lassen, Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden
- Emotions- und Stimmungsmanagement: Sich selbst und den Kunden in eine positive Gefühlslage versetzen; eigene und fremde Reaktionen antizipieren
- Selbstvertrauen und Durchsetzungsstärke: Von den eigenen Fähigkeiten und Erfolgen überzeugt sein; von den Urteilen Anderer unabhängig sein; von den eigenen Fähigkeiten überzeugt sein (Selbstwirksamkeitsüberzeugung)
- Widerstände überwinden: Vorausschauend planan und Probleme lösen; weiten Planungshorizont haben; auf mögliche Risiken und Probleme gut vorbereitet sein
- Zielbezogene Selbstdisziplin: über großes Durchhaltevermögen verfügen; den tieferen Sinn im Beruf und Privatleben erkennen (Kraftquellen nutzen).
Kontakt
eMail: w.pelz@w.fh-giessen.de
Professur für Internationales Management und Marketing
Institut für Management-Innovation
(Ein Institut für Angewandte Forschung und Entwicklung am Steinbeis-Transferzentrum)